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13351 Berlin-Wedding, Clubheim Rehberge
Afrikanische Straße 43 / Ecke Transvaalstraße
Preisfonds 1.000 € garantiert Infos unter www.sc-rehberge.de

  Rezension: Die neuen Engines von ChessBase

von Fernando Offermann

Fritz 8, Junior 9, Hiarcs 9 und Shredder 9, Chessbase, Hamburg 2004/05

www.chessbase.de

Nicht ganz leicht, etwas über Junior und Shredder zu sagen, wenn man kein Großmeister ist. Interessant sind neue Engines immer wieder, und genauso interessant ist es zu sehen, wer mit welchen Engines auf welche Ideen gekommen ist. Viswanathan Anand hat mal mit Hiarcs gearbeitet, Jan Gustafsson mag Shredder und Kasparow zitiert in seinen Werken über die Weltmeister viele Vorschläge von Fritz und Junior.

Standard ist es heute zu sagen: "Fritz schlägt aber vor, …" oder "Das sieht Fritz anders …" Mit Engines zu arbeiten, ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Fritz ist das Markenprodukt, aber Shredder gewinnt die Weltmeisterschaften, und Hydra ist ein Forschungsprojekt und nicht im Kaufhaus zu haben. Tatsache ist, dass Junior in der spanischen Grafvariante oben auf die Verbesserung in Khalifmans Widerlegung gekommen ist, während Fritz und Shredder Mühe hatten, sich zu orientieren. Tatsache ist aber auch, dass Junior in anderen Stellungen nicht durchblickt, die Fritz souverän meistert, von Shredder aber wiederum völlig anders behandelt werden. Toll ist es auch, eine Angriffsidee von Fritz von Hiarcs, Junior oder Shredder verteidigen zu lassen. Schön ist auch eine Art "Literarisches Quartett", wenn alle vier über die Stellung schnattern. Man merkt recht schnell, welche von ihnen einen eigenen Pfad gehen will, und wenn man alle vier an die Leine nimmt, bringen sie einen sonstwo hin.

Manche Stellungen analysiert man mit besser mit Fritz, andere mit Shredder oder mit Junior. Alle haben Schwächen und Stärken. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass der Stil der Engines Einfluss auf die Spielweise der Anwender hat. GM Roland Schmaltz ist davon überzeugt, und es könnte einiges dran sein. Initiativreiches Spiel oder aktives Positionsschach oder Angriffsschach oder klares Strukturschach hat seine Eigenheiten, und in bestimmten Entscheidungen identifizieren sich Spieler zumindest in der späteren Analyse mit einigen Engines.

Die Partien der Engines bei Weltmeisterschaften werden immer interessanter, doch auch immer abgehobener. Wenn Junior, Shredder, Fritz und Hydra sich eine Najdorfpartie vornehmen, fällt es Nicht-GMs zuweilen schwer, den Entscheidungen zu folgen. Aber wie Kasparow schon sagte: Es gibt überall Platz für Verbesserungen, und lässt man sich von einer Engine bei der Suche nach Neuerungen beraten, wird man immer wieder auf Entdeckungen stoßen, auch wenn sie nur für eine Partie wichtig sein können.

Bei der Analyse sind Dialoge zwischen Fritz und Junior interessant, auch zwischen Shredder und Junior oder Fritz und Hiarcs. Fritz investiert neuerdings gern mal Bauern und spielt wunderbar auf Kompensation in technischen Stellungen. Shredder spielt nüchtern aber aktiv, mag freie d-Bauern, springt schneller in der Bewertung hin und her und spielt zuweilen knallhartes Positionsschach, Junior geht optimistisch auf den König los und findet manchmal Züge, auf die andere Programme nicht kommen und Hiarcs spielt klassisch und nicht auf Hauruck, und sieht dafür bestimmte Ideen länger im voraus. Sucht man also in gewissen Stellungen nach versteckten Angriffsideen, so ist das Tandem Junior/Fritz interessant, Konterchancen sehen Shredder, Junior und Fritz sehr gut, und Hiarcs eignet sich als Positionsnavigator. Zudem sind die Ideen von Hiarcs leichter nachzuvollziehen. Sehr schön ist, dass Shredder seit der letzten Version sich auch bereits berechnete Varianten im Rückwärtsgang merken kann (das blieb bislang nur Hiarcs vorbehalten) und diese nützliche Funktion in der neuen Ausgabe verbessert wurde.

Attraktiv ist auch die neue 3-D-Darstellung, die langsam auf dem Weg ist, richtig überzeugend zu sein. Hiarcs hat sogar Figuren in der Bundesform im Angebot, und Junior und Shredder liefern neuerdings Annäherungen an die schöne, klassische Stauntonform, wobei noch etwas an den Springern gearbeitet werden könnte. Als nächstes wäre eine klassische Staunton-Form wünschenswert, wie sie auf Wunsch Fischers in Reykjavik 1972 verwendet worden war und vom House of Staunton im Nachbau angeboten wird. Vielleicht gehen ja auch Figuren im Régence-Stil? Toll aber wäre ein blinkendes 2-D-Pflegerbrett aus dem Fernsehen!

Gefallen aber hat mir aber auch das Engine-Buch von Fritz 8 - viel besser als das von Hiarcs und Junior und auch besser als das umfangreichere Buch von Shredder, und das mag daran liegen, dass sich diesmal jemand extra Mühe gemacht hat. Es steckt voller Anregungen in Stellungen, die in der Theorie bekannt sind oder als Standard gelten, und einige Züge haben es wirklich in sich.

Mir hat das "Fritz 8"-Buch auch besser gefallen als die DVD mit dem Fritz-Powerbuch 2005, auch wenn gerade Birnen mit Äpfeln verglichen werden. Beim Blättern im Grünfeldbuch von Sakajew ("How to get the Edge against the Gruenfeld", s. Rezension im Mitteilungsblatt) war der Unterschied im Vergleich zwischen Großmeister und Statistik signifikant. Nicht zu reden von Khalifmans "Anand"-Reihe. Khalifman und Sakajew schlagen manchmal weiße Abspiele vor, in der es genau eine Partie mit GMs gab - und Weiß verlor. Die Statistik sagt: "Finger davon lassen", die GMs sagen: "Weiß ist im Vorteil." Anzahl der Partien: 1 (In Worten: eine). Da fällt die Entscheidung leicht.

Zwar wäre es schön, wenn man tatsächlich "das gesamte Eröffnungswissen auf einer DVD" (Chessbase) hätte, aber so ist das ja nicht. Das Eröffnungswissen ist nicht die Summe aller gespielten Partien in Ergebnissen, und wenn ich etwas nicht grundlegend falsch verstanden habe, ist das Powerbook 2005 nichts anderes als das. Die kritischen Partien sind ja nicht so zahlreich, als dass sie für die Statistik relevant wären (siehe Kornejew-Graf im Beispiel oben über den Spanier), und Sakajew hat viele bekannte GM-Partien verbessert. Wo steckt also das gesamte Eröffnungswissen? In der Enzyklopädie? In den Monographien zahlloser Schachautoren oder in den Laptops der Top 20? In der Statistik sicher nicht.

Autoreninfo

Fernando Offermann,
geb. 1967 in Buenos Aires, ist Journalist, für gute Bücher zu haben und spielt Schach am liebsten in der Kneipe.

BSV © 28.07.2006

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