| Berliner Pokal-Mannschaftsmeisterschaft 1973 |
von Jürgen Federau
am Sonntag, 26.11.1972, um 9:30 Uhr
Der Sieger erhält den Titel "Berliner Pokal-Mannschaftsmeister 1973"
und einen Wanderpokal mit dem eingravierten Namen des Pokalsiegers.
In der Saison 1972/73 wurde eine Pokal-MM ausgespielt und der Sieger
erhielt den Titel Berliner Pokal-Mannschaftsmeister 1973, unabhängig davon,
ob das genaue Spieldatum 1972 oder 1973 ist.
- Spielort: Spiellokal des SK Tempelhof, Alt-Tempelhof 46
- Jede Mannschaft besteht aus 5 Spielern und bis zu 5 Ersatzspieler.
- Jeder Verein kann beliebig viele Mannschaften melden.
- Schweizer System. Wer zwei Niederlagen bezogen hat, scheidet aus.
- Bei Punktgleichheit entscheidet die Berliner Wertung.
- Bedenkzeit: 15 Minuten pro Spieler und Partie.
- Es beteiligten sich 23 Mannschaften.
- Der SC Kreuzberg war mit vier Mannschaften vertreten.
Der SC Kreuzberg 1 wurde Berliner Pokal-Mannschaftsmeister 1973.
Der Titelverteidiger SV Wilmersdorf trat nicht an, da seine Spitzenkräfte
IM Rudolf Teschner und Jürgen Dueball nicht teilnehmen konnten.
Der SC Kreuzberg 1 spielte in der Aufstellung:
1. Hans-Joachim Plesse 5,5 aus 9
2. Jürgen Federau 6,5 aus 9
3. Norbert Sprotte 7,5 aus 9
4. Klaus Metzing 5,0 aus 9
5. Hubertus Schulze 7,5 aus 9
Der SC Kreuzberg 2 verlor im Laufe des Turniers gegen Lasker und Tempelhof.
In welcher Runde der SC Kreuzberg 2 ausschied, ist unbekannt.
Im folgenden wird immer der SC Kreuzberg 1 zuerst genannt.
Wer tatsächlich zuerst genannnt war, ist unbekannt.
 |  | Ergebnisse und Berichte aus der Kreuzqualle | |  |
|
Als sich am Sonntagmorgen gegen 9 Uhr unter der großen Schar von 25 Fünfermannschaften der SCK mit dem zahlenmäßig stärksten Aufgebot von 4 Teams beim Gastgeber Tempelhof einfand, ahnte noch niemand, daß unter diesen das Berliner Schachleben in zunehmendem Maße beeinflussenden Leutchen die späteren Pokalwegträger zu finden sein könnten. Doch diesmal war es nicht nur die Masse, durch die Kreuzberg auffiel.
Die größten Hoffnungen ruhten auf der 1. Mannschaft, obwohl sie das Fehlen ihres Spitzenmannes Thomas Peine zu beklagen hatte. SCK II kam ebenfalls für das Vorderfeld in Frage. Da die Regeln ein Ausscheiden nach zwei Niederlagen vorsahen, überlebten SCK III und SCK IV die 3.bzw. 4.Runde trotz heftiger Gegenwehr und manchem schönen Einzelsieg nicht. Die 2. Nannschaft teilte das Unglück der ersten, sehr bald auf die Turnierfavoriten zu treffen und unterlag äußerst knapp gegen Lasker und Tempelhof.
| |
1. Runde
SC Kreuzberg 1 - Spandau 4:1
2. Runde
SC Kreuzberg 1 - Wittenau 2 5:0
|
SCK I spielte sich recht gemütlich durch zwei leichte Siege gegen Spandau(4:1) und Wittenau II (5:0) ein. Dann erfolgte die Bewährungsprobe gegen die "Großen Drei": Eckbauer, Tempelhof und Lasker. Gleich die Eckbauer-Könner erwischten uns kalt: Die 2:0-Führung durch Erfolge von Norbert Sprotte und Hubertus Schulze konnten sie zun 2:2 durch Siege über Klaus Metzing und Hajo Plesse ausgleichen und das Remis von Jürgen Federau reichte dann zwar zum 2,5:2,5-Gleichstand, doch ein Sieger mußte benannt werden, die Brettwertung entschied gegen uns.
| |
3. Runde
SC Kreuzberg 1 - Eckbauer 2,5:2,5 (Wertung 6:9) Sieg für Eckbauer
1. Hans-Joachim Plesse verliert
2. Jürgen Federau remis
3. Norbert Sprotte gewinnt
4. Klaus Metzing verliert
5. Hubertus Schulze gewinnt
Der SC Kreuzberg 3 verliert zum zweiten Mal und scheidet aus.
|
Leicht geschockt gaben wir an der 4.Runde gegen Tempelhof an den ersten drei Brettern remis, doch der Sieg wurde unten durch Klaus sichergestellt. Gegen die bis dahin verlustlosen Laskeraner galt es nun, das nackte Leben zu retten, und als die sicheren Punktemacher Norbert und Hubertus aufgaben, ließen die übrigen ihr wahres Können aufblitzen: 2,5:2,5 mit Sieg nach Wertung hieß es zur ausgleichenden Gerechtigkeit. Damit war auch schon der Weg ins Finale frei, da wir in den nächsten beiden Runden die überraschend weit vorgestoßenen Mannschaften von Weiße Dame mit 4:1 und Turm 3,5:1,5 vernaschten.
| |
4. Runde
SC Kreuzberg 1 - Tempelhof (Tempelhof verliert)
1. Hans-Joachim Plesse remis
2. Jürgen Federau remis
3. Norbert Sprotte remis
4. Klaus Metzing gewinnt
5. Hubertus Schulze (Ergebnis unbekannt)
Der SC Kreuzberg 4 verliert zum zweiten Mal und scheidet aus.
5. Runde
SC Kreuzberg 1 - Lasker 2,5:2,5 (Kreuzberg siegte durch Wertung)
1. Hans-Joachim Plesse (Egebnis unbekannt)
2. Jürgen Federau (Ergebnis unbekannt)
3. Norbert Sprotte verliert
4. Klaus Metzing (Ergebnis unbekannt)
5. Hubertus Schulze verliert
6. Runde
SC Kreuzberg 1 - Weisse Dame 4:1
7. Runde
SC Kreuzberg 1 - Turm 3,5:1,5
|
Zufrieden mit dem Erreichten und von jeder nervlichen Belastung frei schlugen alle Mannen gegen das bis dahin ungeschlagene Eckbauer-Team kraftvoll zu und als sich unseren drei Schwarz-Siegen noch zwei Weiß-Remisen beigesellten, entflohen den Augen unserer Gegner argwöhnische Blicke! Kurze Pause - - Neuauflage des Finales und der Kantersieg beflügelte uns.
| |
8. Runde
SC Kreuzberg 1 - Eckbauer 4:1
Drei Kreuzberger Schwarz-Siege und zwei Remisen.
Das war die erste Niederlage von Eckbauer.
|
Hubertus gewann am letzten Brett zum drittenmal gegen seinen aus Hongkong zu Gaste weilenden als "Geheimtip" angesehenen Gegner mit schönem Qualle-Opfer im Königsinder. Sein Nachbar Klaus hatte trotz Figurengewinns urplötzlich technische Schwierigkeiten, zwei Freibauern seines Gegners Schütze zu bremsen, erzwang dennoch eine Gewinnstellung - und bot remis(??) an: Stand:1,5:0,5. Dann begann Norbert angespannt zu kämpfen, gab gegen viele gefährliche Bauern die Qualität zurück und verteidigte sich geschickt, bis sein Gegner Rahls ihm den König zum Fraße vorwarf; gleichzeitig gab Jürgen gegen den überragend aufspielenden Witte auf: 2,5:1,5 für SCK I. Jetzt starrte alles auf Hajos erstes Brett: Würde er eine erneute Wertungsniederlage abwenden können? Hajo blitzte in höchster Zeitnot technisch hervorragend und es ergab sich schließlich eine totale Remisstellung. Da sein Gegner noch immer einige Sekunden Zeitvorteil besaß, wollte er durchziehen, doch Hajo reklamierte remis. Der Fehler seines Gegners Lohsse bestand nun darin, dies nicht zuzulassen, sondern mit Gewalt die Uhr in Gang zu halten, was zu einigen unschönen Szenen wie dem Wegnehmen der Uhr und lauten Zwischenrufen führte. Schließlich gab die Turnierleitung die Partie remis, der Mannschaftsführer von Eckbauer legte beschwörend Protest ein und wieder fand ein freundschaftliches Turnier sein harmonisches Ende...
Einzelergebnisse: N.Sprotte 7½, H.Schulze 7½, J.Federau 6½, H.-J.Plesse 5½, K.Metzing 5 aus 9
Ungeachtet des erwähnten Mißklangs und der Tatsache, daß Titelverteidiger Wilmersdorf wegen des Fehlens seiner Spitzenkräfte Teschner und Dueball nicht antrat, ist dieser Erfolg einer der größten in der Kreuzberger Vereinsgeschichte.
| |
9. Runde
SC Kreuzberg 1 - Eckbauer 3:2
1. Hans-Joachim Plesse gegen Hans-Peter Lohsse remis
2. Jürgen Federau verliert gegen Manfred Witte
3. Norbert Sprotte gewinnt gegen Peter Rahls
4. Klaus Metzing remis
5. Hubertus Schulze gewinnt
Damit hatte Eckbauer seine zweite Niederlage
und Kreuzberg war Berliner Pokalmeister
Quelle: Hubertus Schulze in Die Kreuzqualle Heft 3, Dezember 1972
Frank Hoppe: Das komplette Heft habe ich hier online gestellt. Vielen Dank an Jürgen Federau !
 | | Faksimile von Günter Zimnol, der früher die Wandzeitungen beim SC Kreuzberg anfertigte. | | Wandzeitung beim SC Kreuzberg im Jahr 1972 | |
BSV © 07.08.2007
Kommentare
Es sind noch keine Kommentare vorhanden.
|